Heft Nr.25 / Literatur & Geschichte
Kennen ältere Leser/innen aus Erzählungen noch das
Gewitter-Läuten?

Auch in Büchenbach ist so ein tragisches Ereignis, im Jahr 1787 im Protokollbuch der Pfarrei aufgezeichnet. So steht dort geschrieben:

„...schlug der Blitz in den hiesigen Kichtuhrm und tödtete ohne sonst großen Schaden anzurichten, nebst Jörg Schöndorfer, dem Sohn der hiesigen Schusterwittib, auch den Schulmeister Johann Franz Martin, die nebst andern unverletzt gebliebenen Männer, Purschen und Jungen miteinander Gewitter läuteten.“

Als Johann Franz Martin nach nur knapp einem Jahr Dienst beim Wetterläuten vom Blitz erschlagen wurde, war seine Frau Brigitta schwanger und die Gemeinde war angewiesen für sie zu sorgen. Eine Lösung des Problems fand sich wie folgt:

Die Witwe durfte in der Schulmeisterwohnung bleiben, wenn sie sich... „ein taugliches Subject, das sie zur Ehenehmen wollte sich auszuersuchen.“ Dieses Subject fand sich in Joseph Schütz, der durch die Heirat mit Brigitta die Schulmeisterstelle erhielt.

Das Kind des Johann Franz Martin starb leider sehr bald nach der Geburt - mit Joseph Schütz bekam sie noch 6 Kinder.

Die Ursprünge des Gewitterläutens gehen bis ins 15.Jahrhundert zurück. Aus dieser Zeit kennt man Glocken, (eine der wenigen mit deutscher Inschrift) die mit folgendem Text gegossen wurden: DIE LEBENDIGEN BERUFE ICH / DIE DOTEN BEKLAGE ICH/ DEN DONNER BRECHE ICH/ WER DAS NICHT GLAUBT DER LESE MICH. Im Jahr 1825 wurde die vermutlich letzte Glocke mit diesem Spruch geweiht. Lange Zeit war es üblich bei aufkommenden Gewittern die Glocken zu läuten in der Hoffnung, dass das schwingende Metall die Gewitterwolken zerstreuen könnte.

Allerdings traten auch schon zur damaligen Zeit Gegner diesen Brauches auf, die das Glockenläuten mehr schädlich als nützlich bezeichneten. Einer dieser Gegner war ein Mathematikprofessor aus Ingolstadt, der darauf hinwies, dass bis zum Jahr 1783 allein in Deutschland und Frankreich 103 Personen während des Wetterläutens durch Blitzschlag getötet oder verletzt worden waren. Bereits zu Beginn des 16.Jahrhunderts begann man das Wetterläuten zu verbieten, doch in manchen besonders hartnäckigen Gebieten hielt sich der Brauch bis in die Zeit des 1.Weltkrieges. Der Glaube an die Macht des Glockentons und die damit auch verbundene Abwehr von Hexen die Hagel und Sturm verursachten, war tief verwurzelt. In vielen Orten sollte das Läuten der Glocke Gott auch wohlgefallen und das Unwetter vertreiben.

Als im 18.Jahrhundert Blitzableiter aufkamen, sahen kirchliche Kreise eine Vermessenheit des Menschen in dem Versuch, sich mittels „Ketzerstangen“ dem Gerichte Gottes entziehen zu wollen. Freilich mußte es rätselhaft bleiben, wieso sich der göttliche Zorn gerade über Kircht ürmen entlud. Am Ende setzten sich allerdings zahlreiche Geistliche für die Blitzableiter ein auch wenn es wie im Falle eines Pastors aus Hessen dazu führte, dass die Gemeinde ihn für einen „gefährlichen Menschen“ hielt.

Offiziell wurde in Bayern 1784 das Gewitterläuten verboten.

Manuela Herbert
Agnes Meyer
(Geschichtswerkstatt)



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